Das Fundament für das Bürgermeisteramt…

Nach Abitur und Bundeswehr habe ich meine Verwaltungslaufbahn beim Landkreis Lüchow-Dannenberg begonnen.
Da zwischen Bundeswehr und Beginn der Ausbildung für den gehobenen allgemeinen Verwaltungsdienst knapp ein Jahr zu überbrücken war, habe ich das Angebot der Kreisverwaltung, vorab schon in der Zulassungsstelle zu arbeiten, gerne genutzt. Während der Ausbildung, die aus berufspraktischen Zeiten in der Verwaltung und dem Besuch der Fachhochschule für Verwaltung und Rechtspflege in Hannover bestand, konnte ich verschiedene Bereiche der Verwaltung kennenlernen: Kommunalaufsicht, Sozialamt, Haupt- und Personalamt, Rechnungsprüfungsamt und Bauamt.
Die Ausbildung habe ich mit der Laufbahnprüfung für den gehobenen Dienst abgeschlossen (Diplom-Verwaltungswirt (FH) ).
Beim Landkreis Lüchow-Dannenberg war ich anschließend in der Kämmerei mit der Einführung eines neuen Abfallgebührensystems beschäftigt, welches vom bisherigen Pauschaltarif nach Größe des Behälters auf ein von der Zahl der tatsächlichen Leerungen abhängiges Modell umstellte. Mit der dafür erforderlichen technischen Ausstattung (Software, Transponder-Chips an den Abfallbehältern, Erfassungsgeräte an den Fahrzeugen) insgesamt ein kostenintensives Projekt.
Im Sinne der Erziehung zur Abfallvermeidung sicherlich gut gemeint, aber mit der vorgegebenen Anzahl an Mindestleerungen wieder relativiert.
Als Fazit ist mir damals in Erinnerung geblieben, dass es dadurch zwar gerechter aber für alle teurer geworden ist. Fraglich auch, inwieweit illegale Abfallentsorgung seither unter Umständen zugenommen hat. Insgeheim würde mich interessieren, wie die Erfahrungen nach nunmehr rund 20 Jahren aussehen. Vielleicht könnte ich meine kritische Sicht relativieren?
Meine nächste berufliche Station führte mich zum Landratsamt des Kreises Offenbach. Dort war ich für die Untere Wasserbehörde im Sachgebiet Allgemeines Wasserrecht tätig. „Allgemein“ bedeutet hier praktisch die Auffangkompetenz für fast alle wasserrechtlichen Belange, die nicht Schadensfall oder Lagerung von wassergefährdenden Stoffen bedeuten. Insgesamt recht abwechslungsreich und eine schöne Mischung aus Büroarbeit und Terminen vor Ort mit Bürgern und anderen Behördenvertretern (Wasserwirtschaftsamt, Naturschutzbehörde, Polizei). Von dort bin ich nach drei Jahren in den Vordertaunus gewechselt und habe bei der Stadt Bad Soden am Taunus die Leitung des Ordnungsamtes sowie die stellvertretende Fachbereichsleitung übernommen:BSZ v. 17.01.2001BSZ v. 17.01.2001
Wiederum ein thematisch breit gefächerter Aufgabenbereich (Gewerbe- u. Gaststättenrecht, Straßenverkehrsangelegenheiten, Feste und Märkte, Taxen/Mietwagen, ÖPNV, Obdachlosenunterbringung, „Kampfhunde“, Ordnungswidrigkeiten, u. v. m.).
Vielfach wird das Ordnungsamt nur als Eingriffsverwaltung gesehen, die den Bürger belastet. Einige alte Berichte aus der Bad Sodener Zeitung (BSZ) vom 29. Mai und 7. August 2002 dokumentieren, dass diese Einschätzung dem Ordnungsamt nicht gerecht wird.
BSZ 29.05.2002Bad Sodener Zeitung vom 7. August 2002

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Mir sind einige Ortstermine in Erinnerung, mit denen es gelungen ist, widerstreitende Interessen, z. B. bei der Verkehrsführung oder der Ausweisung von Parkplätzen, zu einer einvernehmlichen Lösung zu führen, die für alle Beteiligten nachvollziehbar und meist auch akzeptabel war. Nachvollziehbarkeit (Transparenz) und Akzeptanz (Mensch im Mittelpunkt der Entscheidung) waren mir schon damals wichtig.
Übrigens habe ich während dieser Zeit auch die Qualifikation als Standesbeamter erworben. Zahlreiche Brautpaare wurden von mir im Standesamt im Bad Sodener Kurpark getraut.
Neben meinem Engagement im Personalrat ist aus dieser Zeit noch erwähnenswert, dass ich mich über sechs Semester an der Volkshochschule zum Finanzbuchhalter fortgebildet habe.
Zwar habe ich wenig praktische Erfahrung in der Finanzbuchhaltung sammeln können, dennoch helfen mir die theoretischen Kenntnisse immer noch bei meiner jetzigen Tätigkeit. Aber dazu später mehr.
Nach knapp neun Jahren bei der Stadtverwaltung in Bad Soden bin ich im Januar 2009 zum Landkreis Limburg-Weilburg gewechselt und fahre seither antizyklisch zum Hauptverkehrsstrom zur Arbeit.
In den Jahren des Pendelns nach Bad Soden habe ich viel Zeit im Stau auf der B 8 verbracht und kann die Forderung von Anliegern und Pendlern nach einer B-8-Umgehung jetzt nicht nur verstehen, sondern unterstütze sie nach Kräften.
Bei der Kreisverwaltung in Limburg war ich zunächst zwei Jahre im Bauamt für sogenannte Sonderbauten zuständig. Darunter versteht man Gebäude, für die aufgrund ihrer Nutzung oder Größe (z. B. Gaststätten, Fabrikgebäude, Kindertagesstätten, etc.) besondere Sicherheitsanforderungen bestehen. Meine Aufgabe war es dort, die Beseitigung von durch Sachverständige vor Ort festgestellten Mängeln rechtlich durchzusetzen.
Seit 2011 bin ich nun bei der Kommunalaufsicht im Bereich der Finanzaufsicht tätig. Vorwiegend befasse ich mich dort mit den kommunalen Haushalten und erstelle die Haushaltsgenehmigungen, sofern genehmigungspflichtige Tatbestände (z. B. Aufnahme von Investitions- oder Kassenkrediten) vorliegen. Hier findet sich dann auch wieder der Anknüpfungspunkt zur weiter oben erwähnten Fortbildung zum Finanzbuchhalter.
Nach mittlerweile mehr als 25 Jahren Tätigkeit in verschiedenen Kommunalverwaltungen habe ich ein breites Querschnittswissen erworben und bin geübt darin, mich auch neuen Aufgaben und Herausforderungen zu stellen.